Dienstag, 30. März 2010

PSALM

Mystische Liebeslieder aus dem europäischen Mittelalter (von Hildegard von Bingen bis Guillaume Dufay) und dem osmanischen Reich
mit dem Ensemble Sarband unter Leitung von Vladimir Ivanoff. 















Miriam Andersén, Gesang & Gotische Harfe

  Dogan Dikmen, Gesang

Susanne Ansorg , Vielle
Celaleddin Biçer
, Ney & Kanun
Judith Haug
, Bildprojektionen
Vladimir Ivanoff, Perkussion, Laute & Oud  



Koran-Sure: As-Saffat ("Jene eingereiht in Ränge") Vier gregorianische Marienantiphonen (Ms. Kopenhagen 13)

Sequenz, Hildegard von Bingen
O virga ac diadema

Lied, Ismail Dede Efendi
Ben sana asik degilim

Lauda, Codex Magliabechiano
Vergene doncella

Istampita
Bel fiore danca

Madrigal
Posando I'Ombra

Instrumental, Hasan Can
Gülsen-i raz (Mystischer Garten)

Mystische Hymne
Ey garip bülbül

Lauda, Codex Cortona
Regina Sovrana

Lied
Ne hevayi bag-i sazed

Lauda, Codex Cortona
Laude Novella

Lied, Hafiz Post
Bahar geldi

Cantiga de Santa Maria Nr. 103
Quen na virgen

Mystische Hymne
Mohammed baginin gülüdür Ali

Mystische Hymne
Gel gülsen-i tevhide

Rondeau, Guillaume Dufay
Quel fronte signorille in paradiso




Der „Hortus conclusus“, der verschlossene Garten, der eingemauerte Ort der Seligkeit ist ein Motiv, das sich durch die Kulturgeschichte des Orients und Europas zieht. So geht unser Wort „Paradies“ auf das altpersische „pairidaeza“ zurück, was „ummauert“ bedeutet. Mit einer Quelle in der Mitte, von fruchttragenden Obstbäumen und duftenden Blumen umgeben, so findet man den idealen Paradiesgarten sowohl in christlichen wie muslimischen Darstellungen des Mittelalters. Europäische und osmanische Musik über verschlossene, geheimnisvolle und frisch erblühte Gärten machen erfahrbar, wie „geistliche“ und „weltliche“ Sphären in einer universalen Mystik der Liebe untrennbar werden. Sarband präsentiert eine interkulturelle Spurensuche: diesmal als Geschichte der verzauberten Gärten. 



„Sarband ist sicherlich das originellste Ensemble für Mittelalterliche Musik“ (Neue Musikzeitung). – Sarband bedeutet Verbindung, das besagt schon der Name, der aus der persischen Musiktheorie stammt und für die improvisierte Brücke steht, die zwei Kompositionen miteinander verknüpft.
Ensembleleiter Dr. Vladimir Ivanoff, der Sarband 1986 gründete, ist als Forscher und Musiker ein Brückenbauer zwischen Kulturen, Menschen und Zeiten: Seine Programme vereinen Menschen aus den verschiedensten Kulturen und Hintergründen, vermitteln zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Alter Musik und lebendigen Traditionen. In der Welt von Sarband musizieren Künstler aus Bulgarien, der Türkei, dem Libanon, dem Irak, Schweden, England, Italien und Deutschland miteinander.
Die Zusammenarbeit innerhalb des Ensembles ist kein modisches Crossover-Treffen, sondern kontinuierlich angelegt und ein gleichberechtigter Dialog. Jeder Künstler bringt uneingeschränkt seine heimische Tradition, seine eigene Geschichte und seine persönliche Kreativität in die Programme ein. Stehen heute meist die religiösen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Differenzen zwischen Orient und Okzident im Vordergrund, so will Sarband zeigen, dass die Musik nicht nur Dekor, sondern weltoffenes Medium gegenseitigen Respekts war und auch heute noch sein kann: ein Beispiel für Verständnis und Anerkennung, ein Exempel des Friedens.
Die Welt von Sarband ist eine Welt der Reisenden in der heutigen Zeit, die wie noch nie zuvor von fast grenzenloser Mobilität und Migration geprägt ist. Das Ensemble nimmt sein Publikum mit auf eine Reise durch Raum und Zeit, durch Religionen und Kulturen. Es ist eine Reise, auf der man die gewohnten Bahnen des Denkens und des Musikbetriebs hinter sich lassen kann, wenn man sich ganz auf die Botschaft von Sarband einlässt. Man darf sich verzaubern lassen von Programmen, die von Toleranz, Offenheit und Innerlichkeit geprägt sind, in denen Zeiten und Menschen zusammengeführt werden: Programme mit Repertoire aus der Alten Musik verbinden die historische Aufführungspraxis Europas mit den lebendigen Traditionen des Mittelmeerraums. Hier widmet sich Sarband immer wieder gerne dem Osmanischen Reich als kulturell hochstehendem, religiös tolerantem Vielvölkerstaat mit reichem musikalischem Erbe.
In Kooperationen mit anderen Ensembles und Orchestern (u. a. King’s Singers, Concerto Köln, Mystère des Voix Bulgares) werden - oft auf ironische Weise - Differenzen zwischen Kulturen (türkische und Wiener Walzer) und Religionen (jüdische, christliche und muslimische Psalmvertonungen), zwischen Alt und Neu (Guillaume de Machaut und Erik Satie) hinterfragt. Die vielfältigen Programme von Sarband bieten - in verschiedenen Ensemblegrößen, die von intimen, stillen Besetzungen bis hin zum Orchester reichen - die unterschiedlichsten meditativen, mitreißenden, manchmal humorvollen Stimmungen. Gemeinsam ist ihnen immer die Intention, ein friedliches Zusammenleben der Menschen und Kulturen aufzuzeigen und sinnlich erfahrbar zu machen.


Kritik KLEINE ZEITUNG

GRAZ. Vladimir Ivanoff ist ein feinsinniger Kartograph des Außergewöhnlichen. Der gebürtige Bulgare, von München aus in aller Welt tätig, gehört (auch als Mitdenker) quasi schon zum edlen Inventar des Festivals "Psalm". Diesmal lockte der Perkussionist in der List-Halle in Paradiese, wie sie von Christen und Moslems zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert besungen wurden, ob in Italien oder Spanien, in Ägypten oder der Türkei.
Reizvoll allein die Spektren der Singstimmen in Ivanoffs Ensemble "Sarband": Hier die Schwedin Miriam Andersén, die als Frau Elfe mit ihrem märchenhaften Glockensopran etwa in Hildegard von Bingens inniger Marien-Sequenz den Begriff "schlicht und ergreifend" aufs Schönste neu deutete. Dort Mustafa Dogan Dikmen aus Istanbul, der mit gutturaler Technik die Mäander vornehmlich osmanischer Lieder herrlich auskostete. Ivanoff selbst mit dezenten Rhythmus-Akzenten, Susanne Ansorg mit ihrer zart besaiteten Fidel und vor allem Celaleddin Biçer als uneitler Virtuose an der orientalischen Zither Kanun sorgten für prächtige Begleitung.
Auffallend an christliche Laudes ebenso wie an den Suren aus dem Koran: Immer schwingt in den Lobgesängen auf die Angebeteten auch lichte Erotik mit. Und so bekam der Titel des Abends "Die verschlossenen Gärten" eine weitere Konnotation. Ein kleines Kunststück für sich waren die eingeblendeten Texte, projiziert auf Fotos von Gregorianik-Partituren, Bibel-Miniaturen oder Orient-Teppichen. Kurz: Kunstgenuss aus einem Guss.
MICHAEL TSCHIDA




Sonntag, 21. März 2010

Kraftwerke Lebring und Grallla

Kraftwerk Gralla







Kraftwerk Lebring 


Projektbeschreibung
Der Ausbau der Wasserkraft in Österreich konzentriert sich in den letzten Jahren auf
den Bau von Kleinkraftwerken, die - an mehr oder weniger großen Wasserläufen
situiert - zwar nicht die Rentabilität der großen Werke erreichen, dafür aber die
Mikroökologie der Gewässer weniger beeinflussen. Weiters bieten solche Kraftwerke
Hochwasserschutz. Die PORR. Steiermark als ausführendes Unternehmen hatte also im
Rahmen dieses Projektes wieder einmal die Chance „positiv-prägend“ in die Umwelt
einzugreifen.
Das Kraftwerk Lebring ist ein Niederdrucklaufkraftwerk, welches das Gefälle der Mur
südlich von Graz auf eine Länge von rund 7 km ausnützt und bei einer
Ausbauwassermenge von 200 m³ / sec eine Stromerzeugung von 89 Mio. kWh im
Regeljahr ermöglicht. Die Arbeiten in der bis 18 m unter dem Wasserspiegel liegenden
Baugrube erforderten umfangreiche Dichtungsarbeiten in den Umschließungsdämmen,
die während der Bauzeit zur Umleitung der Mur dienten. Durch diese Maßnahme war
jedoch die unbe-hinderte Ausführung aller Bau- und Montagearbeiten möglich. Die
bleibenden Schutzdämme des Stauraumes wurden umfangreich bepflanzt und so
gestaltet, dass sie sich in das natürliche Landschaftsgefüge integrieren.
Ein energiepolitisch, wie auch ökologisch wertvolles Projekt in dem die
PORR.Steiermark all ihr spezielles Know how ausspielen konnte. Projektdauer: Okt. 85 - Jun. 88

Sonntag, 14. März 2010

Kraftwerk Friesach

Kraftwerk Friesach

Mit dem Bau des Niederdruck-Laufkraftwerkes an der Mur wurde im Oktober 1995 begonnen, der erste Probelauf fand im Juni 1998 und ein Jahr später die offizielle Inbetriebnahme statt. Das Abschlussbauwerk besteht aus dem Krafthaus mit zwei Kaplan-Rohrturbinen mit aufgesetztem Generator und einer dreifeldigen Wehranlage. Die hydraulisch betriebenen Segmentverschlüsse mit aufgesetzter Klappe sorgen für einen sicheren Hochwasserabfluss. Die Baukosten beliefen sich auf rd. S 600 Mio.. Sowohl im Planungsstadium als auch in der Bauphase wurden neue, die Umwelt schonende Maßnahmen getroffen und umgesetzt. Der Schotter zur Betonerzeugung wurde vor Ort gewonnen und es entstand ein neuer Landschaftsteich. Das sparte Kosten und verringerte die Umweltbelastung durch Minimierung der Transportwege. Die Fischtreppe wurde zum Umgehungsgerinne, auch die neuen Seitenbachmündungen können von ziehenden Fischen überwunden werden. Schotterbänke, Rohböden, Altholz und eine "Schlangengrube" wurden zu wertvollen Trittsteinen des Lebensraumes. Ein Amphibienteich an der Stauwurzel, ein Flachwassertümpel im Autobahnknoten, seichte Buchten und Flachwasserzonen im Stauraum, sparsame, aber gezielte Bepflanzungen: alles Initialzünder für eine Sukzession der Vielfalt. Sorgfältig trassierte Rad- u. Fußwege nehmen Rücksicht auf Ruhezonen und machen das Ergebnis eines fachübergreifenden demokratischen Planungsvorganges erleb- und begreifbar, auch wenn den größten "Fledermauskasten" der Steiermark und das Forschungsfeld auf dem Dach des Krafthauses nicht jedermann sehen kann. Eine gesamthaft positive Umweltbilanz und der nachhaltige volkswirtschaftliche Nutzen der ständigen Bereitstellung heimischer erneuerbarer Energie für 15.000 Haushalte (damit Vermeidung von rund 30.000 t Emissionen CO2/pro Jahr) ist erwiesen.

Freitag, 12. März 2010

Löwinger Bühne im Gemeindebau

Regie: Alfred Haidacher
mit: Eik Breit, Ulrike Emmer, Carina Fromm, Alexander Kropsch, Liselotte Slippek, Bernd Sracnik

Kritik Kleine Zeitung

Ohne Platzreservierung wird's eng im TiK. So zumindest bei der Premiere der locker frechen Penner-Sitcom "Voll auf Rock 'n' Roll", bei der man wörtlich zum Lachen in den Keller gehen muss und die Schüler ebenso anlockte wie kommunale Kulturpolitiker.

Endlich betritt die Prolo-Familie aus Graz-St. Peter wieder die Bretter, die das Leben der unteren Zehntausend bedeuten. Neu mit Satelliten-Zoom im Video-Vorspann, altbewährt mit eingeschweißter Besetzung unter Regie-Ass Alfred Haidacher. Bernd Sracnik als Familienoberhaupt Franz avanciert in der ersten Folge von Staffel II vom Bestatter und Hobbymaler zum babygestressten Hausmann und entgleisten GAK-Anhänger. Onkel Heinz alias Eik Breit spielt den Krankenbruder im Ehe-Notdienst, weil Karrieremama Isolde Ulli Emmer die Scheidung will. Schuld daran hat der Dildo, den die aberwitzige Geldtante Liselotte Slippek vor dem russischen Spion Alexander Kropsch rettet.

Wanko reizt in dem von der werbeträchtigen Putz-Familie inspirierten Penner-Renner wieder alle Schrägheiten aus und setzt auf Live-Musik. Mit Ex-EAVler Eik Breit und Blues-Talent Bernd Sracnik gelingen echte Hits, die Reini Kogler, Joe Harpf, Christoph Wundrak und Hans Irsic beim Premieren-Konzert der Penner-"Undertakers" kräftig anfeuerten.

ELISABETH WILLGRUBER-SPITZ


meine Kritik

von vollem Theater kann keine Rede sein.....
Die Aufführung war voll mit Gemeinplätzen zur Midlife-Crisis- und sonstigen gängigen Klischees, die so bei der mittleren bis unteren Mittelschicht so kursieren, aufgelockert durch 1 bis 2 wirklich lustige Gags...


Sonntag, 3. Januar 2010

buben vom ländle

father & son I brother & nephew III

father & son II brother & nephew IV

brother father

the impersonation of enthusiasm

happy michael

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Sylvester Kino

SOUL KITCHEN

Fatih Akin
ist allein schon aufgrund seiner deutsch-türkischen Abstammung ein Wanderer und Vermittler zwischen den Kulturen. Doch auch zwischen den Genres wechselt der Hamburger Kultregisseur wie kaum ein zweiter heimischer Filmemacher mit ungeheurer Leichtigkeit und Präzision hin und her – vom Milieufilm (Kurz und schmerzlos) zur Road-Movie-Komödie (Im Juli), vom tonnenschweren Drama (Gegen die Wand) zur locker-leichten Feel-Good-Comedy, wo Akin mit seinem liebevollen Gagfeuerwerk „Soul Kitchen“ nun angekommen ist. Beim Festival in Venedig war der Film für den Goldenen Löwen nominiert und wurde mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Zwar weist der „Heimatfilm“ (O-Ton Akin) nach einem überragenden Einstieg in der zweiten Hälfte kleine Schwächen auf, aber dafür sind die Dialoge durchgehend zum Niederknien, so dass diese Juryentscheidung durchaus nachvollziehbar ist.

Der Deutsch-Grieche Zinos (Adam Bousdoukos) schlägt sich als Besitzer eines schäbig-schicken Restaurants im Hamburger Problemstadtteil Wilhelmsburg durch. Das Essen ist zwar mies, aber dabei so bodenständig, dass sich sein proletarisches Klientel nicht daran stört. Als Freundin Nadine (Pheline Roggan) ihre beruflichen Träume als Auslandskorrespondentin in Shanghai verwirklicht, gerät Zinos in einen schweren Gewissenskonflikt, weil er ihr folgen will, aber nicht kann. Sein Laden steht sowieso kurz vor dem Abgrund und die Situation verschärft sich noch weiter, als er einen Bandscheibenvorfall erleidet und sich kaum mehr bewegen kann. An Löffelschwingen ist jedenfalls nicht mehr zu denken. Zinos heuert den frisch gefeuerten Koch-Exzentriker Shayn (Birol Ünel) an, um sein Restaurant vor dem Ruin zu retten. Doch der Großmeister weigert sich, Zinos‘ Fraß zu kochen und setzt stattdessen kulinarisch wertvolle Kost auf die Speisekarte. Am Anfang noch mit wenig Erfolg. Dazu hat Zinos plötzlich auch noch seinen Bruder Illias (Moritz Bleibtreu) am Hals. Als Freigänger darf dieser nur am Wochenende aus dem Knast, es sei denn, er findet einen Job. Deshalb soll Zinos ihn anstellen – wenn auch nur auf dem Papier, denn richtige Arbeit ist nicht so das Ding des notorischen Glücksspielers. Als Ausweg aus der Misere bietet sich Zinos‘ alter Schulkamerad Neumann (Wotan Wilke Möhring) an. Der ist scharf auf das Restaurant und würde einen anständigen Preis für den Laden bezahlen. Doch irgendetwas ist faul an dem schleimigen Immobilieninvestor…
Bildergalerie

Was Regisseur Fatih Akin in der ersten Stunde seines „Soul Kitchen“ abzieht, ist schlichtweg eine Wucht. Sein Stammsujet - das deutsch-türkische Milieu - erweitert der gebürtige Hamburger um die zentrale Komponente der griechischen Migranten, die er schon in seinem Debüt „Kurz und schmerzlos“ gestreift hatte – und das mit so sicherer Hand, als wäre Griechenland seine dritte Heimat. Der Film funktioniert dank einer haargenau getroffenen Atmosphäre, in der Gags im Minutentakt generiert werden. Die Figuren sind skurril und spleenig, beweisen dabei aber zugleich auch genügend Bodenhaftung, um eventuelle Überschreitungen ins Land der Märchen mühelos zu kompensieren.

Erst als Akin diesen Pfad zugunsten durchsichtiger Wendungen verlässt, schleicht sich im Mittelteil ein kleiner Durchhänger ein, weil die Charaktere drohen, ihre Verortung im Hier und Jetzt zu verlieren - das gilt auch für die bis dahin sauber gezeichnete Liebesgeschichte zwischen Adam Bousdoukos und Pheline Roggan (Die Glücklichen). Der Zuschauer kann sich ab hier ziemlich genau ausmalen, was als nächstes kommt. Eingeleitet wird dieser konventionellere Part durch eine orgiastische Sequenz, in der Chefkoch Shayn den Gästen stark aphrodisierende Baumwurzeln ins Essen mischt. Hier rutscht die Komödie kurzzeitig in Comic-Relief-Regionen ab. Doch lustig ist das immer noch und die Witze werden auch kaum weniger, selbst wenn Akin sein zuvor wunderbar austarierter Film stilistisch kurzzeitig etwas aus der Hand gleitet.

Akin besetzt zwar immer wieder seine Lieblingsschauspieler wie Moritz Bleibtreu (Der Baader Meinhof Komplex, Lammbock) oder Birol Ünel („Gegen die Wand“, „Todesspiel“), macht aber nicht den Fehler, seinem Publikum frische Gesichter vorzuenthalten. Hauptdarsteller Adam Bousdoukos („Kurz und schmerzlos“, Kebab Connection), der mit Akin gemeinsam auch das Drehbuch schrieb, stemmt seine nicht ganz einfache Aufgabe als Leading Man mit Bravour. Der deutsch-griechische Jim-Morrison-Lookalike aus Hamburg leistet als Sympathieträger tadellose Arbeit und bringt die Zuschauer sofort hinter sich. Der Gastronom und Schauspieler besaß tatsächlich zehn Jahre eine Taverne und diente seiner Figur selbst als Vorbild. Wenn es jedoch darum geht, dem Affen ordentlich Zucker zu geben, treten andere auf den Plan… etwa in Person von Moritz Bleibtreu und Birol Ünel. Beide frönen mit Wollust dem gepflegt kalkulierten Overacting und landen damit einen Gag nach dem anderen. Bleibtreu war seinem Abdul aus „Knockin‘ On Heavens Door“ mit der Darstellung des chaotisch-charmanten Knastis Illias nie näher und auch das Griechisch bereitet ihm keine Mühe. Das passt einfach, weil Bleibtreu sich ohne Rücksicht auf bleibende Schäden voll reinhängt. Eine Steigerung in Sachen Exzentrik ist dennoch drin. Ünel gibt gehörig Gas und reizt sein Charisma bis an den Rand der Karikatur aus. Großartig. Wenn Shayn seine Kochkunst gegen die bösen Mächte (sprich: die Kunden) verteidigt, ist das ganz großes Tennis. Angelehnt an die Mechanismen des Kung-Fu-Films agiert Shayn als Meister für den Novizen Zinos, was in einer Rocky-ähnlichen „Trainingssequenz“ mündet.

Samstag, 5. Dezember 2009

Weihnachten ließe sich optimieren

Betriebswirtschaft

Weihnachten ließe sich optimieren

04. Dezember 2009, 16:58
  • Artikelbild

    Tja: Wer über die jeweiligen Key-Performance-Indicators Bescheid weiß, kennt das optimale Weihnachten, argumentiert Bernd Stauss schlüssig und zugleich höchst ungewöhnlich. Fehler, Enttäuschungen, Desaster ließen sich so vermeiden


Ungewöhnlich und für viele sicher im höchsten Maße eigen - ja. Aber es klappt: Wie Betriebswirtschaft Weihnachten optimieren könnte, erklärt Bernd Stauss

STANDARD: Professor Stauss, vermute ich richtig, gehen wir zu unsystematisch an Weihnachten heran?

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  • Fest: ArmStrong - starke Business Events.
  • Geld: Sparangebot 2,75% p.a. fix für 36 Monate

Stauss: Aus wissenschaftlicher Sicht besteht daran kein Zweifel. Die Verbesserung unserer vorweihnachtlichen Aktivitäten unter Anwendung betriebswirtschaftlicher Methoden ist überfällig. Mit unseren wissenschaftlich erprobten Verfahren können wir unsere weihnachtlichen Planungs-, Entscheidungs-, Durchführungs- und Kontrollprozesse erheblich effizienter gestalten und mit der gewonnenen Zeit Besinnlichkeitsoasen schaffen. Die Zahl weihnachtlicher Fehlentscheidungen ist einfach zu groß. Sie verderben das Weihnachtsfest. Das muss nicht nicht sein, mit ein bisschen angewandter BWL lässt sich das leicht vermeiden.

STANDARD: Wo liegen die entscheidenden Defizite unserer landläufigen Herangehensweise an Weihnachten?

Stauss: Wir unterschätzen das Problem und gehen dann zu spät, zu unsystematisch und zwangsläufig zu übereilt vor. Bereits ab Spätsommer senden die Supermärkte Frühwarnsignale in Form auf Weihnachten hindeutender Angebote, trotzdem wird die Mehrheit Jahr für Jahr vom Weihnachtsfest überrascht. Entspannt und professionell bereitet sich auf Weihnachten vor, wer spätestens nach Abschluss der Weihnachtsperiode, also 40 Tage nach Heiligabend, die Weihnachtsbilanz vorlegt und mit der Planung für das neue Weihnachtsfest beginnt.

STANDARD: Und wie?

Stauss: Mithilfe der Christmas-_Scorecard. Sie ist ein ideales, familienübergreifendes Planungsinstrument, mit dem die Perspektiven der verschiedenen Familienmitglieder geplant und eine Orientierung der Familie an den strategischen Weihnachtszielen sichergestellt werden kann. Im Mittelpunkt steht die familiäre Vision von Weihnachten, das strategische Weihnachtsziel, etwa in der Art: „Das Weihnachtsfest unserer Familie steht für Besinnlichkeit und Zufriedenheit". Zudem sind die Perspektiven auszuwählen, die für die Erreichung der Weihnachtsvision wichtig sind, und jeweils Leistungsindikatoren und konkrete Zielgrößen (Key-Performance-Indicators) zu definieren.

STANDARD: Beispielsweise?

Stauss: Beispielsweise ist für die Elternperspektive eine Sollgröße für die Elternzufriedenheit festzulegen und für die Kinderperspektive eine Obergrenze für die Kindermeckerquote, also der Anteil von Kindergemecker an der Gesamtzahl weihnachtlicher Kinderkommentare. Im Fokus der Prozessperspektive ist die Arbeitsprozessdauer für Backen oder Basteln zu fixieren und auch die Weihnachtsproduktivität als Output-Input-Relation von Arbeitseinsatz und Besinnlichkeitsqualität. In der Kostenperspektive geht es um die Festlegung von Maximalwerten für Geschenkebudgets bzw. Geschenkebudgetüberschreitungen, aber auch um psychische Kosten, etwa das vorweihnachtliche elterliche Burn-out-Syndrom. Mit solch einem ausbalancierten Zielkatalog hat man die ideale Grundlage für die zielorientierte Ausrichtung der Weihnachtsaktivitäten.

STANDARD: Stichwort Geschenke, das große Weh und Ach zu Weihnachten. Das wäre vermeidbar?

Stauss: Eine Kernursache für mangelnde Weihnachtsbesinnlichkeit und -zufriedenheit liegt darin, dass die falschen Geschenke ausgesucht werden. Der nachweihnachtliche Umtausch-Run demonstriert das bestens. Falsche Geschenke sind nicht nur die Folge von Lieblosigkeit und Fantasielosigkeit, sondern vor allem auch, weil man nicht weiß, wie man die Geschenkpräferenzen, traditionell: „die Wünsche" der Familienmitglieder, exakt ermitteln kann. Wunschzettel, sofern sie noch im Einsatz sind, erweisen sich meist als zu unpräzise. Deshalb bietet sich der Einsatz der bewährten Conjoint-Analyse an. Es handelt sich dabei um ein statistisches Verfahren, mit dem es möglich ist, den Gesamtnutzen von Geschenkalternativen zu berechnen und zugleich zu ermitteln, welche Eigenschaften des Geschenks in welchem Umfang zum Gesamtnutzen beitragen.

STANDARD: ... klingt entlastend ...

Stauss: Ist es auch. Wenn man beispielsweise als Frau den Ehemann wie jedes Jahr mit einer Krawatte überraschen möchte, dann soll es ja auch die richtige sein. Mit der Conjoint-Methode ist es nun ganz einfach, die Krawattenpräferenzen des Mannes zu ermitteln. Die Ehefrau muss nur festlegen, welche Krawatteneigenschaften von Bedeutung sind, z. B. der Stoff, die Form, die Farbe, die Länge und das Muster. Wenn man jeweils drei Alternativen für diese fünf Merkmale berücksichtigt, ergeben sich 243 Möglichkeiten. Diese Alternativen muss die Frau dann nur noch auf Kärtchen schreiben oder zeichnen und ihren Mann bitten, diese Kärtchen nach seinen Präferenzen in die richtige Rangordnung zu bringen. Dann lassen sich mithilfe der Conjoint-Analyse die Teilnutzenwerte für die Eigenschaftsausprägungen und die Gesamtnutzen für die Krawattenalternativen berechnen. Damit wird eine gelungene Weihnachtsüberraschung gewährleistet: Der Mann erhält überraschenderweise die Krawatte, die seinen Präferenzen am besten entspricht.

STANDARD: Gibt es so etwas Elegantes auch für die Bemessung des ja auch nicht ganz unheiklen pekuniären Aufwandes pro Geschenk?

Stauss: Budgetierung! Viele stellen nach Weihnachten nicht nur fest, dass ihr Geschenkeausgabeverhalten in ein finanzielles Desaster geführt hat, sondern zudem noch ineffizient im Sinne verfehlter Weihnachtszufriedenheitswerte war. Mithilfe einer klaren Budgetierung kann man die beiden wesentlichen Fragen beantworten: Wie hoch soll eigentlich das Geschenkebudget ausfallen (Investment-Level), und wie ist dieses Budget aufzuteilen (Investment-Allocation)? Bei der Beantwortung beider Fragen sind selbstverständlich die vom Geschenkeempfänger wahrgenommene Herzenswärme und die Folgen für die Festigung persönlicher Beziehungen zu berücksichtigen. Wenn man beispielsweise den funktionalen Zusammenhang zwischen Geschenkemenge und geschenkeinduzierter Beziehungsstärkung einerseits und den Geschenkekosten andererseits kennt, lassen sich leicht die beziehungsoptimale Geschenkemenge und das dazugehörige Budget bestimmen.

STANDARD: Aber wie wird dieses Budget dann sozusagen personifiziert optimiert, sprich: aufgeteilt? Der gemeine Mensch folgt hier Nützlichkeitserwägungen und dem pragmatischen Motto ‚Wie du mir, so ich dir‘. Wohl kein so fundiertes Vorgehen, oder?

Stauss: Keineswegs, allerdings hilft das Entscheidungsbaumverfahren, diese Nützlichkeitserwägungen auf eine sichere individualisierte methodische Grundlage zu stellen. Gerade in Bezug auf entferntere Verwandte besteht ja bei Geschenkeüberlegungen die Unsicherheit, ob man überhaupt ein Gegengeschenk erhält und - wenn ja - ob es gleichwertig ist. Es kann sehr gut sein, dass man großzügig schenkt, also massiv in Beziehungen weihnachtlich investiert, ohne dass ein entsprechender Return eintritt. Andererseits besteht natürlich auch die Gefahr, dass man massive Unzufriedenheit auslöst, wenn sich das eigene Geschenk in Relation zum empfangenen als zu mickerig erweist. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei Verwandten um längerfristige Beziehungspartner handelt, sodass Folgerungen für das Geschenkverhalten zum nächsten Weihnachtsfest zu erwarten sind. Für dieses mehrperiodische Planungsproblem bietet sich das Entscheidungsbaumverfahren geradezu an. Auf der Basis eines Baumdiagramms kann man die Alternativen eines kleinen oder großen Geschenks und die Wahrscheinlichkeiten eines kleinen oder großen Gegengeschenks berücksichtigen und dann für mehrere Weihnachtsperioden die optimale, d. h. mir nützlichste Geschenkalternative berechnen.

STANDARD: Dann sollten wohl auch die Weihnachtskarten entsprechend gezielt eingesetzt werden?

Stauss: Das Schreiben von Weihnachtskarten kostet Zeit und Geld. Dabei ist es keineswegs sicher, ob sich diese Investition in die Beziehung in jedem Fall lohnt. Möglicherweise verschicken wir leichtfertig Karten an Personen, nur weil wir von diesen im letzten Jahr eine erhalten haben oder weil diese uns durch besonders frühzeitige Zusendung einer Karte in Zugzwang bringen. Reine Ressourcenverschwendung! Andererseits ist es auch denkbar, dass wichtige Beziehungen dadurch geschwächt oder gar gefährdet werden, dass die verschickte Karte als geschmacklos oder zu unpersönlich empfunden wird. Da hilft die Portfoliomethode. Hier werden die potenziellen Kartenempfänger als strategische Beziehungseinheiten (SGE) bewertet und verschiedenen Feldern zugeordnet.

STANDARD: Aha, und das geht wie?

Stauss: Die wertvollsten SGE, die „Stars", erhalten wertvolle Karten mit einem persönlich gehaltenen individuellen Text. Das gilt auch für diejenigen unter den „Question Marks", die einen hohen zukünftigen Nutzen versprechen. Bei „Card Cows" muss nur insoweit investiert werden, als dies zur Erhaltung der Beziehung notwendig ist. Hier reicht der Textbaustein „Fröhliche Weihnachten und ein gutes neues Jahr" mit eigener Unterschrift. Bei geringwertigen Beziehungseinheiten („Dogs") liegt allerdings die Desinvestitionsstrategie des Kartenschreiben-Verzichts nahe.

STANDARD: Vermute ich richtig, auch in Sachen Weihnachtsbaum lässt sich noch einiges optimieren?

Stauss: Ein Streit darüber eskaliert meistens zum Zeitpunkt des Schmückens, hält aber häufig bis zur Baumentsorgung an. Eine Reihe von Fehlern passiert: Der Baum ist zu groß oder zu klein, passt nicht in den Ständer; er ist zu dicht oder zu durchsichtig.

STANDARD: Und all diese Mängel lassen sich vermeiden?

Stauss: Unbedingt, dazu bietet sich eine Methode an, die es erlaubt, verschiedene Weihnachtsbaumalternativen im Hinblick auf alle wichtigen Kriterien zu bewerten: Das Scoring- oder Punktbewertungsverfahren. Zunächst legt man die Bewertungskriterien fest, beispielsweise Transportierbarkeit, Aufstelleignung, Ständeradäquanz, Frische, Geradheit, Nadelart und Schmückbarkeit. Dann nimmt man eine individuelle Gewichtung der Kriterien vor. Auf dieser Basis kann man nun alle Bäume bewerten, indem man jeweils für die einzelnen Kriterien Punktwerte vergibt. Durch Multiplikation der jeweiligen Punktwerte mit den Gewichtungskriterien ergibt sich der Gesamtpunktwert der Baumalternative, und natürlich ist der Baum mit dem höchsten Wert der ideale.

STANDARD: Professor Stauss, und das klappt alles, tatsächlich?

Stauss: Selbstverständlich. Wir haben diese Ansätze im Rahmen einer Fallstudie mit der Case-Family Gutenburg angewendet und evaluiert. Auch in Fragen der Weihnachtsbäckerei. Die festgelegten Sollgrößen für die weihnachtlichen Key-Performance-Indicators wurden erreicht oder sogar erheblich übertroffen. (Hartmut Volk, DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.12.2009)

Zur Person

Bernd Stauss ist Inhaber des Lehrstuhls für Dienstleistungsmanagement an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.