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Sonntag, 2. Oktober 2011

Kirche zum Heiligen Geist am Osterberg

Schon viele Jahrhunderte gab es auf dem Osterberg bei Leutschach eine Holzkirche. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war der Berg Treffpunkt der Mitglieder einer Sekte, die wegen ihrer rituellen Tänze und religiösen Handlungen „Springer“ („Springer und Werfer“, „Springer-Sekte“) genannt wurde. Sie hielten dort ihre regelmäßigen religiösen Zusammenkünfte ab. Ihr Kult war vor 1570 entstanden, er hatte Anhänger aus dem slowenischen und deutschen Kulturkreis, hauptsächlich aus unteren sozialen Schichten. Im Rahmen der religiösen Zusammenkünfte wurden durch Tänze „ekstatische Bewusstseinszustände mit Visionen“ angestrebt, und versucht, den „Heiligen Geist“ anzurufen.[2] Die Sektenmitglieder waren unter anderem aus dem Gebiet von Schwanberg, das damals der letzte evangelische Bereich der südwestlichen Steiermark war, vertrieben worden und hatten sich in das Gebiet zwischen Soboth und den Windischen Büheln zurückgezogen.[3] Die kirchliche Obrigkeit der Gegenreformation beobachtete die Zusammenkünfte nur einige Zeit und ließ dann gewaltsam die Sektenmitglieder zerstreuen.
Ob diese Versuche Mitte des 17. Jahrhunderts in dem nicht überall leicht zugänglichen Gebiet im Osten des Drauwaldes auf Dauer erfolgreich waren, ist offen. Ein Kultgebäude der Springer hatte schon vor 1600 bestanden,[4] auch 1618 besaßen seine Anhänger eine Kapelle am Ort der heutigen Kirche,[5] die danach von den Behörden in Brand gesteckt worden, aber im Jahr 1622 wieder errichtet[6] worden war. Die Bewilligung der Errichtung von Kirchenbauten an den ehemaligen Kultplätzen der Sekte wird auch als Beitrag zu deren endgültiger Befriedung aufgefasst.[2]
Die Pfarre Heiligengeist an der Grenze zwischen den Bezirken Leibnitz und Marburg in den Jahren um 1879: Aufnahmeblatt 1:25.000 der 3. Landesaufnahme (Mitte oben)
Die Kirche wurde dann 1667 von Anna Crescentia von Stubenberg neu erbaut und 1709 dem Heiligen Geist geweiht. Rund um die Kirche entstand der Pfarrort Heiligengeist. Die Gottesdienststätte war ursprünglich eine Kapelle der Pfarre Leutschach, 1789 wurde sie zur Localie (Filialkirche) von Leutschach, 1892 zur selbständigen Pfarre.
Die Pfarre Heiligengeist umfasste neben weiten Teilen der heutigen österreichischen Gemeinde Schloßberg auch die heute zu Slowenien gehörenden Gebiete um den Ort Heiligengeist.
Im Jahre 1919, nach Beendigung des Ersten Weltkriegs und dem Frieden von St. Germain, wurde die Grenze zwischen der Republik Österreich und dem Königreich Jugoslawien gezogen. Dadurch wurde auch die Pfarre Heiligengeist geteilt – ein Teil verblieb auf österreichischer Seite und kam zur Pfarre Leutschach, der andere Teil wurde Jugoslawien zugeteilt.
Die Kirche ist ein Wallfahrtsort und beliebtes Ausflugsziel. Am Pfingstsonntag findet alljährlich das große Wallfahrerfest mit einem slowenisch- und einem deutschsprachigen Gottesdienst statt. Die Kirche wurde mit Hilfe engagierter steirischer Bürger und Unternehmen renoviert.








http://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_zum_Heiligen_Geist_am_Osterberg

Samstag, 5. März 2011

Steinschloss


Die Ruine Steinschloss ist mit 1.180 m ü. A. die höchstgelegene Burg-Ruine in der SteiermarkMurtal in der Nähe der Gemeinden Mariahof bzw. Scheifling. (Österreich). Sie befindet sich im Oberen
Diese Burg wurde im 12. Jahrhundert vermutlich durch das Edelgeschlecht „von Stein“ erbaut. Im Jahre 1503 wurde Steinschloss von dessen damaligem Besitzer, dem Adelsgeschlecht Liechtenstein, an das Stift St. Lambrecht verkauft. 1525 wurde die Burg im Zuge von Bauernaufständen und Türkeneinfällen aufgerüstet.
Die Größe dieser Ruine ist beeindruckend und lässt die ursprünglichen Ausmaße dieses Wehrbaues sehr gut erkennen


Schloss Stein 

Pipin, der Sohn Karl des Großen, beschenkte nach den Siegen über die Ungarn und Awaren seine tapferen Helden fürstlich. So erhielt der freie Mann Engelschalk neben der adligen Würde auch einen großen Forst ob Scheifling zum Lehen. Engelschalk ließ nun auf dem hohen Stein die Feste Stein aufbauen und bewohnte sie einige Jahre lang. Als er starb, beweinten die Untertanen ihren guten Herrn, der sieben hübsche Töchter und einen Sohn hinterließ. Dieser leistete am deutschen Kaiserhof Kriegsdienste. Die Töchter fanden im Herrn von Saurau, dem Bruder ihrer verstorbenen Mutter, die beste Stütze. Die Schönheit der Schwestern war so bekannt, dass sich die Zahl heiratslustiger Adliger in der Burg von Stein täglich mehrte. Aber keine der Schwestern wollte Erstbesiegte sein. Sie schickten die werbenden Ritter in die Welt hinaus, um sie unmögliche Abenteuer bestehen zu lassen.

Auch ein welscher Ritter war von den Reizen der Burgfräulein bezaubert. Bis in die Nacht hinein unterhielten sie ihn mit Saitenspiel und Tanz und kredenzten ihm den feurigsten Wein. Er warf sich Gisela, der schönsten, aber auch stolzesten der Schwestern, zu Füßen und gestand ihr seine Liebe. Höhnisch erwiderte Gisela dem Ritter: „Wie könnt Ihr euch unterstehen, von Liebe zu sprechen? Beweist durch Taten, dass Ihr der Liebe der Töchter von Stein wert seid! Wenn Ihr dem Mond eine Kette um die Hörner werfen und ihn an den Felsen dieser Burg fesseln könnt, dann fragt wieder um Bescheid hier an!“ Hierauf zogen sich die gleichgesinnten Schwestern in ihre Kemenaten zurück. Die heiße Liebe des Ritters verwandelte sich in Hass.
Er ging aus dem Saal und verbarg sich hinter der Turmtreppe, wo er seine Rachepläne schmiedete. Die Nacht war warm und hell. Er sah Gisela, in ein Nachtgewand gehüllt, durch den Burghof und dann durch ein Pförtchen in den Garten gehen. Der Ritter schlich ihr sofort nach, übte seine Rache und sprengte davon. Gisela stürzte zu ihren Schwestern und erzählte ihnen von der schamlosen Rachetat des Ritters. Da schwuren die Schwestern von Stein, alle Männer zu hassen. Die sieben Frauen ließen nun auf einem steilen Felsen eine Burg bauen, in der sie dann ganz zurückgezogen lebten. Dieses Schloss erhielt nach ihnen den Namen Frauenburg.
Giselas Sohn holte sich in den Schlachten des Kaisers die Rittersporen. Er wurde der Besitzer der Burg und der Stammvater der schon ausgestorbenen Ritter von Frauenburg, die als Wappen den an den Hörnern gefesselten Mond führten.






Die Sage vom verschwundenen Ritter

Zwischen den Herren von Kaisersberg und jenen von Stein entstand bittere Feindschaft. Ein Kaisersberger wollte nämlich das Fräulein von Stein ehelichen. Der Freier wurde jedoch abgewiesen, weil der Herr von Stein keinen gewöhnlichen Ritter, sondern einen Fürsten zum Schwiegersohn haben wollte. Zwischen den beiden Schlossbesitzern entbrannte ein Wortgefecht, bei dem der Kaisersberger über eine Stiege hinab geworfen wurde und zu Tode fiel.
Nach Jahren verliebten sich wieder ein Ritter von Kaisersberg und ein Fräulein von Stein. Im Vater des Fräuleins erwachte neuerdings der Familienzwist. Er zückte das Schwert gegen den jungen Kaisersberger, aber das Fräulein fing den tödlichen Stoß auf. Sinnlos schwang der Alte nochmals das Schwert und spaltete dem Kaisersberger das Haupt. Von dieser Stunde an war der alte Ritter in seinem Schlosse nicht mehr zu sehen - er blieb verschwunden. Im Stift Seckau, wo das Ritterfräulein begraben wurde, trat später ein großer, ernster und schweigsamer Mann als Laienbruder ein. Nächtelang betete er in der Gruft und eines Tages fand man ihn tot auf dem Grab des Fräuleins von Stein liegen.
Wenn in dieser Gegend Unheil droht, dann erscheint im Kreuzgang des Stiftes ein Mönch, der einen Sarg trägt, in dem ein weiß gekleidetes Mädchen mit blutender Brustwunde liegt. Ein Jüngling mit gespaltener Stirn blickt sehnsüchtig auf die Tote.













Details zur Burg 

Donnerstag, 6. Januar 2011

Weinburg - Wintertag

Weinburg am Saßbach
liegt unweit des Murtales im Bezirk Radkersburg im österreichischen Bundesland Steiermark.
Katastralgemeinden sind Perbersdorf bei Sankt Veit, Pichla bei Mureck, Priebing, Siebing und Weinburg am Saßbach. Kirchlich gehört Pichla zur Pfarre Mureck, alle anderen Ortschaften zur Pfarre Sankt Veit am Vogau.








http://de.wikipedia.org/wiki/Weinburg_am_Sa%C3%9Fbach

Donnerstag, 20. Mai 2010

4 Jahre

gut geschmaust - wirklich ein Genuss


Freitag, 16. April 2010

Mittwoch, 14. April 2010

Samstag, 3. April 2010

endlich geschafft - Leopoldsteinersee


Der Leopoldsteinersee ist ein Bergsee auf etwa 600 m Seehöhe am Fuße der Seemauer unweit der Stadt Eisenerz. Der See liegt zur Gänze in der Steiermark. Er ist 1400 Meter lang und 370 Meter breit, seine tiefste Stelle beträgt 31 m. Durch den See fließt der Seebach, hauptsächlich wird der See jedoch durch unterirdische Quellen gespeist.







Den Namen trägt der See auf Grund des nahe gelegenen Schlosses Leopoldstein.
In der Nähe dieses Sees soll einer Sage nach ein Wassermann gefangen worden sein. Um seine Freilassung zu erkaufen, zeigte er seinen Fängern ein Eisenerzvorkommen, den nur wenige Kilometer entfernten Erzberg.


Smaragdgrünes Wasser umringt von Bergen

Der Leopoldsteinersee umfasst eine Gesamtfläche von 0,5 Quadratkilometern und erreicht an manchen Stellen eine Tiefe von bis zu 31 Metern. Durch den See fliesst der Seebach, hauptsächlich aber wird der Leopoldsteinersee von unterirdischen Quellen gespeist. Dieser 1400 Meter lange und 370 Meter breite Bergsee eignet sich bestens für badefreudige Zeitgenossen. Das smaragdgrüne Wasser des naturbelassenen Sees schimmert in den verschiedensten Tönen und sorgt für wundervolle Stimmungen. Umzingelt von Bergen ist der optische Augenschmaus perfekt. Eine tolle Wasserqualität, ausreichend Liegeflächen für Einheimische und Touristen, sowie angenehme Wassertemperaturen in den Sommermonaten Juli und August sorgen für Badespass pur. Ein Erlebnis für die ganze Familie!

Eine Sage erzählt, dass in der Nähe des Sees einst ein Wassermann gefangen wurde. Um seine Freilassung zu erkaufen, zeigte er seinen Fängern ein Eisenerzvorkommen: den nur wenige Kilometer entfernten Erzberg. Besonders während des «Erzberg Rodeos», einer Veranstaltung zur jährlichen Bezwingung des Erzbergs mit Motocross-Motorrädern, erfreut sich diese Region besonderer Beliebtheit.

Schloss Leopoldstein

Seinen Namen verdankt der in Misch- und Nadelwäldern eingebettete See einem sehr nahe gelegenen Prunkstück: Schloss Leopoldstein. Dieses architektonische Kleinod diente einst als Jagdschloss. Heutzutage beherbergt das darin untergebrachte Internat sportbegeisterte Jugendliche - die meisten unter ihnen absolvieren hier die nordische Schiausbildung. Der Direktor des Internats vergleicht das Gebäude gerne mit Schloss Neuschwanstein und hebt besonders die aus dem 19. Jahrhundert stammende denkmalgeschützte Innenausstattung hervor.

Ein Paradies für Wanderer

Nicht nur Badefreunde kommen hier auf ihre Kosten. Eine wahre Attraktion stellt diese Region auch für ausgedehnte Spaziergänge, Wanderungen oder einfach nur zum Geniessen dar. Die idyllische Umgebung eignet sich einfach für jedermann. Man muss kein anspruchsvoller Bergtourengeher sein, um diese Landschaft etwas genauer erkunden zu können. Optimale Alternativen gibt es auch für gemütliche Wanderer. Routen in allen Höhenlagen und Schwierigkeitsstufen sorgen für die Planung einer Tour nach persönlichen Bedürfnissen und Ansprüchen. Bestens gepflegte Wege, sowie hunderte Kilometer von markierten Wanderwegen rund um den Leopoldsteinersee lassen das Wanderherz höher schlagen.

Dieses wunderschöne Fleckchen Erde bietet Natur pur und ist auch für Hobbyfotografen ein idealer Ort, um faszinierende Eindrücke zu verewigen. Und wer die Wanderschuhe zuhause gelassen hat, findet am Ufer des Leopoldsteinersees mit Sicherheit ein romantisches Plätzchen zum Entspannen und Geniessen.

Text: Sabine Trach

Dienstag, 30. März 2010

PSALM

Mystische Liebeslieder aus dem europäischen Mittelalter (von Hildegard von Bingen bis Guillaume Dufay) und dem osmanischen Reich
mit dem Ensemble Sarband unter Leitung von Vladimir Ivanoff. 















Miriam Andersén, Gesang & Gotische Harfe

  Dogan Dikmen, Gesang

Susanne Ansorg , Vielle
Celaleddin Biçer
, Ney & Kanun
Judith Haug
, Bildprojektionen
Vladimir Ivanoff, Perkussion, Laute & Oud  



Koran-Sure: As-Saffat ("Jene eingereiht in Ränge") Vier gregorianische Marienantiphonen (Ms. Kopenhagen 13)

Sequenz, Hildegard von Bingen
O virga ac diadema

Lied, Ismail Dede Efendi
Ben sana asik degilim

Lauda, Codex Magliabechiano
Vergene doncella

Istampita
Bel fiore danca

Madrigal
Posando I'Ombra

Instrumental, Hasan Can
Gülsen-i raz (Mystischer Garten)

Mystische Hymne
Ey garip bülbül

Lauda, Codex Cortona
Regina Sovrana

Lied
Ne hevayi bag-i sazed

Lauda, Codex Cortona
Laude Novella

Lied, Hafiz Post
Bahar geldi

Cantiga de Santa Maria Nr. 103
Quen na virgen

Mystische Hymne
Mohammed baginin gülüdür Ali

Mystische Hymne
Gel gülsen-i tevhide

Rondeau, Guillaume Dufay
Quel fronte signorille in paradiso




Der „Hortus conclusus“, der verschlossene Garten, der eingemauerte Ort der Seligkeit ist ein Motiv, das sich durch die Kulturgeschichte des Orients und Europas zieht. So geht unser Wort „Paradies“ auf das altpersische „pairidaeza“ zurück, was „ummauert“ bedeutet. Mit einer Quelle in der Mitte, von fruchttragenden Obstbäumen und duftenden Blumen umgeben, so findet man den idealen Paradiesgarten sowohl in christlichen wie muslimischen Darstellungen des Mittelalters. Europäische und osmanische Musik über verschlossene, geheimnisvolle und frisch erblühte Gärten machen erfahrbar, wie „geistliche“ und „weltliche“ Sphären in einer universalen Mystik der Liebe untrennbar werden. Sarband präsentiert eine interkulturelle Spurensuche: diesmal als Geschichte der verzauberten Gärten. 



„Sarband ist sicherlich das originellste Ensemble für Mittelalterliche Musik“ (Neue Musikzeitung). – Sarband bedeutet Verbindung, das besagt schon der Name, der aus der persischen Musiktheorie stammt und für die improvisierte Brücke steht, die zwei Kompositionen miteinander verknüpft.
Ensembleleiter Dr. Vladimir Ivanoff, der Sarband 1986 gründete, ist als Forscher und Musiker ein Brückenbauer zwischen Kulturen, Menschen und Zeiten: Seine Programme vereinen Menschen aus den verschiedensten Kulturen und Hintergründen, vermitteln zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Alter Musik und lebendigen Traditionen. In der Welt von Sarband musizieren Künstler aus Bulgarien, der Türkei, dem Libanon, dem Irak, Schweden, England, Italien und Deutschland miteinander.
Die Zusammenarbeit innerhalb des Ensembles ist kein modisches Crossover-Treffen, sondern kontinuierlich angelegt und ein gleichberechtigter Dialog. Jeder Künstler bringt uneingeschränkt seine heimische Tradition, seine eigene Geschichte und seine persönliche Kreativität in die Programme ein. Stehen heute meist die religiösen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Differenzen zwischen Orient und Okzident im Vordergrund, so will Sarband zeigen, dass die Musik nicht nur Dekor, sondern weltoffenes Medium gegenseitigen Respekts war und auch heute noch sein kann: ein Beispiel für Verständnis und Anerkennung, ein Exempel des Friedens.
Die Welt von Sarband ist eine Welt der Reisenden in der heutigen Zeit, die wie noch nie zuvor von fast grenzenloser Mobilität und Migration geprägt ist. Das Ensemble nimmt sein Publikum mit auf eine Reise durch Raum und Zeit, durch Religionen und Kulturen. Es ist eine Reise, auf der man die gewohnten Bahnen des Denkens und des Musikbetriebs hinter sich lassen kann, wenn man sich ganz auf die Botschaft von Sarband einlässt. Man darf sich verzaubern lassen von Programmen, die von Toleranz, Offenheit und Innerlichkeit geprägt sind, in denen Zeiten und Menschen zusammengeführt werden: Programme mit Repertoire aus der Alten Musik verbinden die historische Aufführungspraxis Europas mit den lebendigen Traditionen des Mittelmeerraums. Hier widmet sich Sarband immer wieder gerne dem Osmanischen Reich als kulturell hochstehendem, religiös tolerantem Vielvölkerstaat mit reichem musikalischem Erbe.
In Kooperationen mit anderen Ensembles und Orchestern (u. a. King’s Singers, Concerto Köln, Mystère des Voix Bulgares) werden - oft auf ironische Weise - Differenzen zwischen Kulturen (türkische und Wiener Walzer) und Religionen (jüdische, christliche und muslimische Psalmvertonungen), zwischen Alt und Neu (Guillaume de Machaut und Erik Satie) hinterfragt. Die vielfältigen Programme von Sarband bieten - in verschiedenen Ensemblegrößen, die von intimen, stillen Besetzungen bis hin zum Orchester reichen - die unterschiedlichsten meditativen, mitreißenden, manchmal humorvollen Stimmungen. Gemeinsam ist ihnen immer die Intention, ein friedliches Zusammenleben der Menschen und Kulturen aufzuzeigen und sinnlich erfahrbar zu machen.


Kritik KLEINE ZEITUNG

GRAZ. Vladimir Ivanoff ist ein feinsinniger Kartograph des Außergewöhnlichen. Der gebürtige Bulgare, von München aus in aller Welt tätig, gehört (auch als Mitdenker) quasi schon zum edlen Inventar des Festivals "Psalm". Diesmal lockte der Perkussionist in der List-Halle in Paradiese, wie sie von Christen und Moslems zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert besungen wurden, ob in Italien oder Spanien, in Ägypten oder der Türkei.
Reizvoll allein die Spektren der Singstimmen in Ivanoffs Ensemble "Sarband": Hier die Schwedin Miriam Andersén, die als Frau Elfe mit ihrem märchenhaften Glockensopran etwa in Hildegard von Bingens inniger Marien-Sequenz den Begriff "schlicht und ergreifend" aufs Schönste neu deutete. Dort Mustafa Dogan Dikmen aus Istanbul, der mit gutturaler Technik die Mäander vornehmlich osmanischer Lieder herrlich auskostete. Ivanoff selbst mit dezenten Rhythmus-Akzenten, Susanne Ansorg mit ihrer zart besaiteten Fidel und vor allem Celaleddin Biçer als uneitler Virtuose an der orientalischen Zither Kanun sorgten für prächtige Begleitung.
Auffallend an christliche Laudes ebenso wie an den Suren aus dem Koran: Immer schwingt in den Lobgesängen auf die Angebeteten auch lichte Erotik mit. Und so bekam der Titel des Abends "Die verschlossenen Gärten" eine weitere Konnotation. Ein kleines Kunststück für sich waren die eingeblendeten Texte, projiziert auf Fotos von Gregorianik-Partituren, Bibel-Miniaturen oder Orient-Teppichen. Kurz: Kunstgenuss aus einem Guss.
MICHAEL TSCHIDA




Dienstag, 12. Januar 2010

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Sylvester Kino

SOUL KITCHEN

Fatih Akin
ist allein schon aufgrund seiner deutsch-türkischen Abstammung ein Wanderer und Vermittler zwischen den Kulturen. Doch auch zwischen den Genres wechselt der Hamburger Kultregisseur wie kaum ein zweiter heimischer Filmemacher mit ungeheurer Leichtigkeit und Präzision hin und her – vom Milieufilm (Kurz und schmerzlos) zur Road-Movie-Komödie (Im Juli), vom tonnenschweren Drama (Gegen die Wand) zur locker-leichten Feel-Good-Comedy, wo Akin mit seinem liebevollen Gagfeuerwerk „Soul Kitchen“ nun angekommen ist. Beim Festival in Venedig war der Film für den Goldenen Löwen nominiert und wurde mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Zwar weist der „Heimatfilm“ (O-Ton Akin) nach einem überragenden Einstieg in der zweiten Hälfte kleine Schwächen auf, aber dafür sind die Dialoge durchgehend zum Niederknien, so dass diese Juryentscheidung durchaus nachvollziehbar ist.

Der Deutsch-Grieche Zinos (Adam Bousdoukos) schlägt sich als Besitzer eines schäbig-schicken Restaurants im Hamburger Problemstadtteil Wilhelmsburg durch. Das Essen ist zwar mies, aber dabei so bodenständig, dass sich sein proletarisches Klientel nicht daran stört. Als Freundin Nadine (Pheline Roggan) ihre beruflichen Träume als Auslandskorrespondentin in Shanghai verwirklicht, gerät Zinos in einen schweren Gewissenskonflikt, weil er ihr folgen will, aber nicht kann. Sein Laden steht sowieso kurz vor dem Abgrund und die Situation verschärft sich noch weiter, als er einen Bandscheibenvorfall erleidet und sich kaum mehr bewegen kann. An Löffelschwingen ist jedenfalls nicht mehr zu denken. Zinos heuert den frisch gefeuerten Koch-Exzentriker Shayn (Birol Ünel) an, um sein Restaurant vor dem Ruin zu retten. Doch der Großmeister weigert sich, Zinos‘ Fraß zu kochen und setzt stattdessen kulinarisch wertvolle Kost auf die Speisekarte. Am Anfang noch mit wenig Erfolg. Dazu hat Zinos plötzlich auch noch seinen Bruder Illias (Moritz Bleibtreu) am Hals. Als Freigänger darf dieser nur am Wochenende aus dem Knast, es sei denn, er findet einen Job. Deshalb soll Zinos ihn anstellen – wenn auch nur auf dem Papier, denn richtige Arbeit ist nicht so das Ding des notorischen Glücksspielers. Als Ausweg aus der Misere bietet sich Zinos‘ alter Schulkamerad Neumann (Wotan Wilke Möhring) an. Der ist scharf auf das Restaurant und würde einen anständigen Preis für den Laden bezahlen. Doch irgendetwas ist faul an dem schleimigen Immobilieninvestor…
Bildergalerie

Was Regisseur Fatih Akin in der ersten Stunde seines „Soul Kitchen“ abzieht, ist schlichtweg eine Wucht. Sein Stammsujet - das deutsch-türkische Milieu - erweitert der gebürtige Hamburger um die zentrale Komponente der griechischen Migranten, die er schon in seinem Debüt „Kurz und schmerzlos“ gestreift hatte – und das mit so sicherer Hand, als wäre Griechenland seine dritte Heimat. Der Film funktioniert dank einer haargenau getroffenen Atmosphäre, in der Gags im Minutentakt generiert werden. Die Figuren sind skurril und spleenig, beweisen dabei aber zugleich auch genügend Bodenhaftung, um eventuelle Überschreitungen ins Land der Märchen mühelos zu kompensieren.

Erst als Akin diesen Pfad zugunsten durchsichtiger Wendungen verlässt, schleicht sich im Mittelteil ein kleiner Durchhänger ein, weil die Charaktere drohen, ihre Verortung im Hier und Jetzt zu verlieren - das gilt auch für die bis dahin sauber gezeichnete Liebesgeschichte zwischen Adam Bousdoukos und Pheline Roggan (Die Glücklichen). Der Zuschauer kann sich ab hier ziemlich genau ausmalen, was als nächstes kommt. Eingeleitet wird dieser konventionellere Part durch eine orgiastische Sequenz, in der Chefkoch Shayn den Gästen stark aphrodisierende Baumwurzeln ins Essen mischt. Hier rutscht die Komödie kurzzeitig in Comic-Relief-Regionen ab. Doch lustig ist das immer noch und die Witze werden auch kaum weniger, selbst wenn Akin sein zuvor wunderbar austarierter Film stilistisch kurzzeitig etwas aus der Hand gleitet.

Akin besetzt zwar immer wieder seine Lieblingsschauspieler wie Moritz Bleibtreu (Der Baader Meinhof Komplex, Lammbock) oder Birol Ünel („Gegen die Wand“, „Todesspiel“), macht aber nicht den Fehler, seinem Publikum frische Gesichter vorzuenthalten. Hauptdarsteller Adam Bousdoukos („Kurz und schmerzlos“, Kebab Connection), der mit Akin gemeinsam auch das Drehbuch schrieb, stemmt seine nicht ganz einfache Aufgabe als Leading Man mit Bravour. Der deutsch-griechische Jim-Morrison-Lookalike aus Hamburg leistet als Sympathieträger tadellose Arbeit und bringt die Zuschauer sofort hinter sich. Der Gastronom und Schauspieler besaß tatsächlich zehn Jahre eine Taverne und diente seiner Figur selbst als Vorbild. Wenn es jedoch darum geht, dem Affen ordentlich Zucker zu geben, treten andere auf den Plan… etwa in Person von Moritz Bleibtreu und Birol Ünel. Beide frönen mit Wollust dem gepflegt kalkulierten Overacting und landen damit einen Gag nach dem anderen. Bleibtreu war seinem Abdul aus „Knockin‘ On Heavens Door“ mit der Darstellung des chaotisch-charmanten Knastis Illias nie näher und auch das Griechisch bereitet ihm keine Mühe. Das passt einfach, weil Bleibtreu sich ohne Rücksicht auf bleibende Schäden voll reinhängt. Eine Steigerung in Sachen Exzentrik ist dennoch drin. Ünel gibt gehörig Gas und reizt sein Charisma bis an den Rand der Karikatur aus. Großartig. Wenn Shayn seine Kochkunst gegen die bösen Mächte (sprich: die Kunden) verteidigt, ist das ganz großes Tennis. Angelehnt an die Mechanismen des Kung-Fu-Films agiert Shayn als Meister für den Novizen Zinos, was in einer Rocky-ähnlichen „Trainingssequenz“ mündet.